
Banause.

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Ich habe eine Marotte, die ich seit der achten Klasse hege und pflege. Das ist eine sehr lange Zeit, deshalb fühle ich mich deswegen mittlerweile nicht mehr abartig. Ich sammle Unterhosen. Bei der Auswahl neuer Stücke ist in erster Linie die Farbe bzw. Musterung entscheidend. Dies kann eine Erklärung für das Erlebnis im Waschsalon sein, dass gerade hinter mir liegt.
Ich fütterte die geduldige Maschine mit Wäsche und Waschpulver und verliess anschliessend den Salon, um auf einer Bank im kühlen Abendwind zu lesen. Als ich den Salon zwanzig Minuten später wieder betrat, sass ein Mann vor meiner Waschmaschine und starrte konzentriert hinein. Mir war das unnötigerweise etwas peinlich. Nachdem ich ihn etwa zwei Minuten in unveränderter Position betrachtet hatte, fragte ich höflich, was es denn da zu sehen gäbe.
Er hob seinen Silberblick zu mir empor und sagte: ‘Ist es nicht fantastisch? Die Farben! Die Farben!’
Ich schaute dem bunten Hüpfen und Drehen und Sich-überschlagen in der Trommel einen Moment lang zu und konnte es nicht ganz nachvollziehen.
Bin ich zu schweizerisch, oder ist das tatsächlich ein wenig indiskret, die Wäsche fremder Leute so genau zu inspizieren? Und sind Waschsalons nicht überhaupt die indiskreteste Einrichtung der Welt?
Ich besuche meine alte Liebe. Ich habe dort voraussichtlich kein Telefon, worauf ich mich besonders freue. Das muss ja ein unglaubliches Gefühl sein.
Im Liesenhausen wird ab und zu das Neuste zu lesen sein. Besucht mich doch einfach, ich wohne am Jardin du Luxembourg. Bis bald!
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