Nächtliches Kommando.

Letzte Nacht in meinem Körper: 

ZAHNFLEISCH: He Jungs, ist noch einer wach? Ich kann nicht schlafen! Hier steckt was fest! 

LUNGE: Psssssst. Hhhhhhh. Pssssssst. Hhhhhhh. Psssssst. 

ZAHNFLEISCH: Echt jetzt, das tut weh! Das soll weg da! Ich kriegs einfach nicht raus. 

LUNGE: Hör mal auf zu jammern. WIR haben hier die Nachtschicht. Psssssst.

ZAHNFLEISCH: Aber es tut so weeeeeeh! 


GEHIRN (schläfrig): Was ist los? 

ZAHNFLEISCH: Oh, gut, du bist wach! Hör mal, ich hab da was feststecken in der Baugrube, die sie vorgestern aufgerissen haben. So kann ich nicht schlafen.

GEHIRN: Mmmh, ja, ich sehe die Schmerzimpulse. Muss ordentlich weh tun. Haste ein Fremdkörpergefühl? 

ZAHNFLEISCH: Neiiin, nur noch Schmerzen. Tierische Schmerzen! 

GEHIRN: Hmm, da kann ich auch nichts machen. Wir müssen die Chefin wecken. Blase, bereitmachen zum Dienst! 


(Etwas später) 

GEHIRN: Blase? 

BLASE: Ooooch Alta, wasn jetzt los? Tu ma nich gleich so übertreibe. Ich tu keinem was. Ich bin nur bissl voll.

GEHIRN: Du hast das Zahnfleisch gehört, wir brauchen die Chefin. Du bist leider unser einziger Mitarbeiter, der sie zuverlässig wecken kann. Walte deines unverdienten Amtes! 

BLASE: Ey, weisst du, wie früh es is? Die wird mich hassen! Fünf Uhr inner scheiss Früh! Und ich soll se wecken? 

ZAHNFLEISCH: Ich halt das nicht mehr auuuuuUUUU…. 

BLASE (zerknirscht): Is ja gut… 

Blase bläst sich zu schmerzhafter Spitzengrösse auf. Ich erwache fluchend.

Unverständnis.

Liebe Christa Rigozzi

Seit jeher habe ich dich in den Topf mit den eher sympathischen Prominenten geworfen. Jetzt sehe ich dich plötzlich an allen erdenklichen Orten von Plakaten eines Kreditinstituts lächeln. Was machst du da oben? Sag bloss, die haben etwas gegen dich in der Hand.

Ganz abgesehen davon, dass Werbung für Kreditinstitute im öffentlichen Raum sowieso verboten gehört, verstehe ich wirklich den Zusammenhang nicht. Was hast du, schöne, sympathische, erfolgreiche und bestimmt nicht am Existenzminimum entlangschlitternde Frau, mit dem Ausgeben von Geld, das einem nicht gehört, zu tun?

Und welches Publikum soll wohl durch dein hübsches Lächeln auf den Plakaten angesprochen werden? Denn ausser diesem ist ja eigentlich nichts zu erkennen. Es ist nicht so, als würdest du vor einem neuen Auto mit Drillingskindersitz posieren, das du dir dank eines Kredits leisten konntest. Auf dem Plakat bist nur du. Und du als Person bist ja hoffentlich nicht einmal mit einem Kredit käuflich, obwohl es deine Dienstleistung - Modeling - logischerweise ist. Aber mit welcher Art von Geld deine Gage beglichen wird, scheint keine Rolle zu spielen.

Ich bin ziemlich verwundert und auch etwas enttäuscht. Gerne wüsste ich, was du dazu meinst. Oder wann du findest, dass ein Kredit für den durchschnittlichen Plakatberieselten Sinn macht. Ich weiss es nämlich nicht.

Trotzdem liebe Grüsse, 

deine Frau Wundermann


PS: Als Frau unter dreissig wird mir ja von der Werbung im Allgemeinen erklärt, dass die Sache, die mich am meisten zu interessieren hat, mein Aussehen ist. Also habe ich mir überlegt, was deine Werbung mir sagen müsste: 

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Es überzeugt mich nicht. Nichts an dieser Werbung überzeugt mich. Das Schlimme daran ist, dass das keine Rolle spielt. Ich unterrichte trotzdem heute die Leute, die morgen darauf reinfallen werden, aller Warnungen zum Trotz. Was könnten wir da machen, liebe Christa Rigozzi, du und ich?

Bei der Geburt getrennt.

Liebe Beyoncé

Ich habe dein Bildchen auf Instagram gesehen und mich voll für dich gefreut, dass dir dein Kleid für dieses Fancy-Dress-Ball-Dingsbums so gefallen hat. Aber bei der Pose und der Frisur musst du ein bisschen aufpassen, beides kam mir nämlich bekannt vor. Nicht, dass es nachher noch heisst, du würdest jemand anderen kopieren. Du einzigartiges, wundervolles, verehrungswürdiges Einhorn, du!

In Liebe,
deine Frau Wundermann

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Was du brauchst.

Manchmal kann die Welt glaubs ein bisschen Gschpürschmi-Fühlschmi brauchen. Solche Sachen:

Inspiration. Forgiveness. Confidence. Patience. Strength. Ich habe mich natürlich sofort gefragt, was auf den anderen Zettelchen stand. Aus Angst, jemand anderer könnte noch etwas Besseres mitgenommen haben als ich, riss ich dann wenigstens alle verbleibenden Zettelchen ab, um das zumindest mengenmässig kompensieren zu können.

ES IST MIR EINE EHRE, SIR.

Mir fehlen nach wie vor die Worte für einen würdigen Nachruf auf den Meister der liebevoll vorgehaltenen Spiegel, auf den Schöpfer der allermenschlichsten Kreaturen (ungeachtet der Spezies), auf einen der heitersten Sprachkünstler und auf den zuverlässigsten Mobilisator meiner Lach- und Heulmuskeln der zeitgenössischen Literatur. Ach was, der Literatur überhaupt. Oh, die Liebe, die ich für seine Figuren habe! 

Und ich dachte immer, ich würde ihn dann irgendwann noch treffen. Natürlich war das nicht realistisch. Nun, wer weiss. Vielleicht höre ich einmal die Worte in meinem Kopf: GUTEN ABEND, MADAM. JA, ICH BIN’S. NUN KUCKEN SIE NICHT SO, WEN HABEN SIE DENN ERWARTET? BITTE FOLGEN SIE MIR. DRÜBEN WARTET JEMAND, DER SCHON SEIT EIN PAAR JAHREN MIT IHNEN EINEN TEE TRINKEN MÖCHTE. ER HAT IHREN BRIEF GELESEN.

Erfolgsformel.

Ich finde dieses Video derart lustig, dass ich es nun weiterverbreite. Die Idee, den Erfolg von bestimmten musikalischen Zusammensetzungen mit Formeln zu berechnen, fand ich schon immer - als Gedankenexperiment* - höchst amüsant. 

Natürlich würde manch humorlose Feministin wohl Grund zum Herumschreien finden ob der in diesem Video implizierten Machtlosigkeit der Frau gegenüber ihren eigenen Trieben angesichts flotter Hipstermusik. Aber das ist mir egal.


* und nur dann

Einfach nur fies.

Liebe Bernmobil

Ich bin generell kein grosser Fan von Werbung, die bestimmte Bevölkerungsgruppen gezielt fertigmacht. Aber du hast es echt auf ein neues Level gehoben. So perfid, so subtil!

Jetzt tu’ nicht so, als ob du nicht wüsstest, was ich meine. Heute Morgen im Zwölferbus musste ich das hier entdecken:

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Du solltest es am besten wissen, liebe Bernmobil. Der Zwölfer ist es, der die Universitätsgebäude miteinander verbindet. Der Zwölfer ist es, in dem ich vor Jahren einmal halb delirant sass und aus dem Lautsprecher zu hören glaubte: “Nächster Halt: Masterabschluss. Umsteigemöglichkeit in alle Richtungen”. Der Zwölfer ist es, der täglich Massen von latent lebensüberforderten, mehr oder weniger wissbegierigen Studenten vom Bahnhof zum Elfenbeinturm karrt. Das einzige, was diese smartphone-, hochglanzkopfhörer- und freitagtaschenbewehrte geistige Elite von morgen meistens nicht hat, ist ein Plan. Und daran wird ehrlich gelitten, im Fall.

Und genau da, liebe Bernmobil, lässt du also das Messer rein? Das ist doch der Gipfel der Taktlosigkeit. Als ob man in einem Altersheim ein Poster mit einem zufrieden grinsenden Jüngling aufhängen würde, auf dem steht: “Er hat gut lachen, weil er eine klitzekleine Prostata hat.” Wäre da ein bisschen Rücksicht echt zuviel verlangt?

Stellvertretend für ihr Vergangenheits-Ich leicht gekränkt grüsst dich

Frau Wundermann

Die dümmsten Verpacker der Welt, Teil 234.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mich das Thema “umständliche Postverpackungen” so dauerhaft beschäftigen würde. Als mich heute aber wieder eine ganz besondere Postsendung erreichte, war sofort klar, dass ich das würde archivieren müssen. 

Ich wollte bei einem grossen “Verlag” ein paar Röllchen Klebeband bestellen. Die Röllchen hätten etwas um die zwanzig Franken gekostet*. Hätten. Denn zum Preis wollten sich gut acht Franken Versandkosten dazugesellen. Das fand ich erschreckend hoch gegriffen. Doch Rettung schien nah zu sein: Der wohlplatzierte Hinweis “Buch dabei? Portofrei!” auf der Internetseite des “Verlags” hätte sich wohl nach einem tollen Geschäft anhören sollen, rief in mir aber höchstens leise Wehmut darüber hervor, wie man so etwas Erhabenes wie ein Buch als blosses Argument zur Portoreduktion bei der Klebebandbestellung einsetzen konnte. Dann fiel mir ein, dass es Bücher wie “50 Shades of Grey” gibt, und mein Bedauern war augenblicklich gelindert.

Ich bestellte also, heimlich froh darum, einen Vorwand dafür gefunden zu haben, zusätzlich zu den Klebebandröllchen ein Buch, mit dem ich bisher preisbedingt nur eine Schaufensterfernbeziehung geführt hatte.

Buch und Klebeband lagen friedlich nebeneinander in meinem digitalen Warenkorb, als ich auf den aggressiv roten Bestellknopf drückte. Heute nun erreichte mich diese Sendung:

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Abb. 1: Zwei Pakete. Zur Veranschaulichung der Grössenverhältnisse liegen sowohl ein halber Frauenfuss** als auch das bestellte Buch daneben.


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Abb. 2: Beide Pakete, geöffnet.


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Abb. 3: Eine Innenansicht der Postsendung nach Entfernung des Füllmaterials. Jawohl, das oben rechts ist alles, was ich bestellt habe. Notabene liegt auch dieser per Kreditkarte bezahlten Sendung ein hübsches, perforiertes, dreifarbiges Papier mit Einzahlungsschein bei, das mich darüber informiert, dass ich nichts mehr bezahlen muss. Damit habe ich aber schon gerechnet. Man lernt ja dazu.



*Es war auch ganz besonders schönes Klebeband.

**Ob mein Blog jetzt Klicks bekommt, weil ein paar Perverse auf Google nach Frauenfüssen suchen?

Die Liebe rennt durch die Strassen.

Lieblingsmoment in der Lieblingsstadt.

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Ob die bei IKEA wissen, dass es das gibt? Ich konnte mich kaum sattsehen:

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Den Ort, an dem der Spruch noch besser passen würde, muss mir erst mal noch einer zeigen:

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Mozart hatte eine recht ordentliche Handschrift für so einen wilden Jungspund:

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Kitschig, aber ich hätte jetzt da meinen Kopf schon noch drauf gebettet:

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Marketing für'n Arsch.

Ich war heute bei IKEA, und bei IKEA hat man als Kunde voll viele Auswahlmöglichkeiten. Das ist mir heute ganz neu bewusst geworden, als ich das stille Örtchen des gelbblauen Möbelriesen aufsuchte:

Nur, damit keine Missverständnisse entstehen: Ja, das sind vier unterschiedliche Sorten Toilettenpapier. Ich verbrachte ungefähr eine halbe Stunde im besagten Raum, bis ich in alle Kabinen einmal hatte reinschauen können. Mindestens zwei Sorten waren da überall im Angebot. Ich bin leicht verwirrt, aber auch irgendwie angetan von der Idee. Ist wahrscheinlich irgend so eine PR-Masche: IKEA - unser Marketing denkt auch an Ihren Allerwertesten! Bei mir funktioniert das.