10. April 2007
Lisa macht Ferien
Jawoll! Die ersten ‘Rückreisewellen’ quälen sich den Gotthard hinauf, kilometerlange Staus demontieren die Gesamterholung der Osterausflüge, zu langes Sitzen im Auto zerknittert die mit Nivea-SunTouch auf braun getunte Haut. All das wird gekrönt von der niederschlagenden Gewissheit, dass morgen wieder der Alltag anfängt. Ausserdem waren die Kinder im Urlaub so friedlich, und das Gequengel kündigt sich auf dem Rücksitz schon an. Und bei der schlechten Luft zu Hause wird der herzliebste Stirnrunzler am Steuer bestimmt auch wieder lauter Schnarchen. Seufz. Das Einzige, was einigemassen versöhnlich stimmt, ist, dass hunderte Familien dieses Schicksal teilen.
Und was tu ich? Ich fahr in den Süden. Nach einer fast sechsmonatigen Zeit der ungetrübten Vorfreude. Und ausgerechnet jetzt fällt mir die Bürde meiner Geburt in den Rücken. Denn ich bin eine Frau. Und Frauen machen sich vor Urlaubsreisen nun mal Sorgen.
Diese völlig natürliche Vorurlaubspanik erfasst mich also heute gegen zwei Uhr in der Früh. Werde ich in dieser äusserst hässlichen Sprache erklären können, dass meine Allergikerhaut im Kontakt mit den gängigsten Wundsalben mit eitrigen Blasen reagiert, während ich Herrn Campingplatz meinen blutenden Unterarm hinstrecke? Und wie will ich zu einem blutenden Unterarm beim Ananas-schnitzen kommen, wenn wir kein anständiges Küchenmesser dabeihaben? Und wie transportiert man sowas? In Tupperware?
Völlig aufgelöst beginne ich also, eine Liste zu verfassen, was ich alles nicht vergessen darf. Ich werde bestimmt beim Packen schon wieder vergessen haben, wo sie ist. Aber immerhin beruhigt es. Und dann rufe ich wenige Stunden nach zwei in der Früh meinen leidgeplagten Begleiter an und konfrontiere ihn mit meinen Sorgen. Er lacht mich aus und findet, ich klänge wie meine Mutter.
Und da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Mutter, wie konnte ich nur je auf die hirnrissige Idee kommen, ohne dich Campen zu gehen?! Und auf der Liste schreibe ich unter Brotmesser, Kühltasche und Korkenzieher mit zittrigen Fingern:
'Mutti forever’.