Sorgfältige Planung.

Es ist Frühling. Ein lauer Wind weht über weite Felder, die auf einer Seite durch einen Wald begrenzt sind. Zwei Männer sitzen auf der Kühlerhaube eines Autos und schauen in die Ferne.

KARL: Siehst du die Bäume da drüben?

MARIUS: Na ja, da sind ziemlich viele Bäume, wenn du mich fragst.

KARL: Nein, nicht die auf der anderen Seite. Da stehen ein paar mitten zwischen den Feldern, so ganz eng beieinander, als würden sie einen Plan aushecken, wie sie’s den grossen Eichen heimzahlen können, von denen sie in der Baumschule immer geplagt worden sind.

MARIUS: Ach ja. Die sehen eigentlich aus, als ob sie da gar nicht hin gehörten.

KARL: Nun, da ist ein Teich, in ihrer Mitte. Das Wasser ist tiefschwarz. Und wenn du nicht weisst, dass da ein Teich ist, weil’s dir einer gesagt hat, dann findest du’s nie raus, weil die Bäume so dicht um ihn herum stehen. Wenn ich jemals eine Leiche verstecken müsste, würd ich’s dort tun.

Beide schweigen.


MARIUS: Ganz schön gefährlich, sowas laut auszusprechen.

Beide schweigen.


KARL: Hmmm. Du hast Recht. Sieht so aus, als müsste ich dich jetzt umbringen.

MARIUS: Wenigstens weisst du schon, wo du die Leiche loswerden kannst.

KARL: Ja, das ist echt eine Erleichterung.

Marius starrt ins Leere. 

Karl seufzt. 

Marius kratzt sich am Hals.


KARL: Noch ’n Bier?

MARIUS: Ja, gern.

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Morgen kommt der Krieg, Mirabell, drum leg deine Hand an meine Wange und küss mich. Eine Nacht wird er wohl noch warten.

Glücksgefühl.

Das Ausfüllen von Umfragen gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber in diesem (selbstverständlich absolut repräsentativen) Fall hat es mich sehr gefreut:



Falls Sie (vermutlich zu Recht) befürchten, dass Ihr Chef, Ihre Professorin oder Ihre Kunden zu den gut neunzig Prozent der Menschen gehören könnten, die Schreibfehler tatsächlich wahrnehmen und sich daran stören, kann ich Ihnen von Herzen einen guten Korrekturservice für Ihre nächste Serie von Geschäftsbriefen, Ihre Studienarbeit oder Ihre Kundenofferten empfehlen. Total uneigennützig: lesenlassen.ch 

Clickbaiting ist für Feiglinge.

Lieber Tagi

Ich habe gerade die folgende Überschrift auf deiner Internetseite gelesen:


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Auf den ersten Blick sieht das für mich aus, als wolltest du berichten, dass mehrere Radprofis aus der Schweiz bei den Terroranschlägen in Belgien verletzt wurden. Auf den zweiten Blick, also im Lead, erläuterst du freundlicherweise dann doch, dass der Ausdruck «betroffen» sich nur auf den Gefühlszustand der Sportler bezieht. Das Problem ist, dass der Leser zwischen dem ersten und dem zweiten Blick bereits geklickt hat, wenn die Schlagzeile so reisserisch tut. Und das weisst du, lieber Tagi. Ich bin generell sicher nicht dein grösster Fan, aber das enttäuscht mich trotzdem ziemlich.

Denn: Clickbaiting ist der Anfang vom Ende eines Mediums. Das war kürzlich zu beobachten, als eine populäre Seite mit Redaktionssitz in Zürich in beeindruckender Geschwindigkeit von einer relativ spannenden Plattform für alternative News zu einer grell beleuchteten Müllhalde verkommen ist, auf der kleine Artikel wie verhungernde Vögelchen ihre Mäuler aufsperren und verzweifelt nach Würmern schreien. Neun von zehn Mal, nachdem der interessierte Leser sie mit einem Klick gefüttert hat, kichern sie dann hämisch: «Ich hatte gar keinen Hunger, du Depp! Ich hätte deine Aufmerksamkeit gar nicht verdient! Aber gell, du findest meine bunten Federn auch geil…»

Aber ich schweife ab, lieber Tagi. Ich habe nämlich noch eine ganz andere Frage, über die wir angesichts deines total substanziellen Artikels über das Entsetzen der Radprofis ob den aktuellen Ereignissen reden sollten: Müssen die Nachrichten wirklich darüber berichten, dass die Nachrichten schrecklich sind? Je öfter solche Artikel die digitalen und analogen Seiten füllen, desto schneller wird die Medienlandschaft zu einem Ozean aus Beliebigkeit, in dem die wenigen Stücke echter, sachlicher, wichtiger Information hilflos und nahezu unsichtbar herumdümpeln wie Champagnerkorken, die irgendwann über die Reling einer Luxusjacht geknallt sind. 

Jetzt fang du nicht auch noch damit an. Überlass das ruhig deinen Blogs.

Trotz allem freundlich grüsst dich

Deine Frau Wundermann

Unerfreuliche Doppeldeutigkeit.

Lieber WWF

Man kann das mit den wilden Tieren sehen, wie man will. Ob es wirklich erstrebenswert ist, dass sich der Wolf wieder dauerhaft und flächendeckend in den Schweizer Alpen ansiedelt, kann man wahlweise mit dir oder mit einem Alphirten diskutieren. Ich bezweifle, dass ihr euch einig würdet. Das ist aber jetzt nicht mein Hauptanliegen. 

Mir geht es um diese Spendenaktion. Man kann also, wenn man das denn möchte, einen populären Volkslauf in der Region Bern als Sponsorenlauf für eines deiner Projekte absolvieren. Dessen Ziel ist es, «dass der Wolf in unserer Natur wieder einen Platz findet und unseren Artenreichtum fördert» (Zitat). Und das Ganze nennt sich dann «Laufen für den Wolf». Bravo.

Was ist denn das für eine Strategie? Soll das lustig sein? Oder hat sich in deiner Publicity-Abteilung niemand überlegt, woran ein Läufer wohl denkt, wenn er “Wolf” hört?

Kopfschüttelnd grüsst dich

deine Frau Wundermann

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Tortenfiguren des Grauens.

Da macht man ein paar Einkäufe in einem unverdächtigen Bastelladen für das beste Skilager der Welt und sieht das folgende Display:

Auf den ersten Blick ist da nichts Verdächtiges dran. Auch nichts Besonderes. Persönlich hatte ich nie den Wunsch, industrielle Plastikfigürchen auf eine Torte zu stellen. Zu meiner Beruhigung konnte ich inzwischen feststellen, dass man auch ohne ein schmierig grinsendes Kunststoffpärchen prima heiraten kann. Trotzdem schaute ich mir die Sache noch etwas genauer an:

Ich fühlte alle Gefühle: Belustigung darüber, dass die schwulen und lesbischen Paare jeweils aus zwei Figürchen mit der exakt gleichen Frisur bestanden*, leichte Verwirrung darüber, warum da offenbar auch Tortendekorationen für Kinderhochzeiten verkauft werden und Verwunderung, ob es tatsächlich so wenig Nachfrage nach Plastikeheleuten mit anderer Hautfarbe gibt. Doch meine nächste Beobachtung liess alles andere bedeutungslos werden:

Tortenfiguren für Zombiepärchen! Es lebe die Vielfalt! Oh boy.


* Sicher nicht komplett unrealistisch, aber es riecht schon ein bisschen nach “es war einfach kein Geld für einen Designer übrig”.

Merkmale eines eigenartigen Vormittags.

  • Sie wachen mit einem Weihnachtslied von Justin Bieber als Ohrwurm auf. Es ist Mitte Februar und Sie haben keine Entschuldigung.
  • Weil nichts von dem, was Sie sich vorgenommen haben, auf Anhieb klappt, beschliessen Sie, wenigstens die Wohnung mit dem Staubsauger anzugreifen. Nach einer erfolgreich geschlagenen Schlacht versuchen Sie zwei Minuten lang sehr konzentriert, den Staubsauger im Kühlschrank zu versorgen, bevor Ihnen klar wird, was Sie da gerade tun.
  • Während Sie Ihren Briefkasten auf Post überprüfen (total analog), wünscht Ihnen der Bauarbeiter auf der benachbarten Baustelle statt eines guten Tages “gute Besserung”, obwohl Sie voll bekleidet und für die Uhrzeit sogar bereits leidlich gekämmt sind. 

Die Liste ist bei Weitem nicht abschliessend.

Dies ist kein politischer Post.

Dies ist lediglich eine herzliche Einladung, Nein zu sagen zu dieser peinlichen Initiative der CVP am 28. Februar. Sogar wenn ihr verheiratet seid und euch Steuern zahlen weh tut. Wenn «familienfreundliche» Politik nicht für alle Arten von Familien Recht schaffen will, dann verdient sie diese Bezeichnung auch nicht. Bitte, gebt euch mehr Mühe!


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Ich habe ein neues Wort gefunden:

Ich kann es kaum erwarten, es näher kennen zu lernen. Und dann muss ich es unbedingt meinem aktiven Wortschatz vorstellen. Vielleicht verstehen sie sich ja. Dann könnten wir in ferner Zukunft vielleicht noch ein schwarzes Kästchen mehr rausholen bei der Häufigkeit.